Jürgen Becker

Sonderveranstaltung Freitag | 04.05.2018 | 20:00 Uhr

   

Jürgen Becker
Volksbegehren – Die Kulturgeschichte der Fortpflanzung | Kabarett

Blattläuse haben es leicht. Wenn ihnen nach Fortpflanzung zumute ist, gebären die
Lausmädels ohne Zutun eines Lausbuben bis zu zehn Töchter am Tag. Sie müssen
nicht fragen: „Zu mir oder zu dir?“ Sie fragen: „Zu mir oder zu mir?“ So einfach
kann das Leben sein. Doch etwas muss ja dran sein am Sex.
Jedenfalls hat sich der Austausch von Körperflüssigkeiten zwecks Fortpflanzung bei
99% der Tierarten durchgesetzt. Geschlechtliche Fortpflanzung findet man gar bei
Obstbäumen, Topfpflanzen, Ziersträuchern und in Blumenrabatten, wenn darin
Herren- und Damenkegelclubs des Nachts bei ihren fröhlichen Ausflügen übereinander
herfallen. Wir sind Tiere und werden es immer bleiben.
So wundern wir uns über das Tierhafte unserer Körper und empfinden sie gelegentlich
als peinlich, abstoßend und vulgär. Wir schämen uns ihrer, es sei denn, wir
sind im Internet.
Kann die Religion diese Scham erklären oder erklärt die Scham gar die Religion?
Denn in der bunten Götterwelt finden wir bereits alle Spielarten der Sexualität
wieder, auch die Homoerotische. Und schon immer hat die Religion das versucht,
was wir heute endlich geschafft haben: Wir können Kinder zeugen ohne Zeugungsakt und Sex genießen ohne Kinder zu zeugen. Früher musste man dafür beten: „Heilige Maria, die du empfangen hast ohne zu sündigen, lass mich sündigen, ohne zu empfangen!“

     
     
  Foto: Simin Kianmehr  

 

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